An der Bahnsteigkannte des Lebens

An der Bahnsteigkannte des Lebens

Auf dem Frankfurter Bahnhof kommt es um 9:50 zu einem vermutlichen Mord: ein Mann stößt eine Frau mit ihrem Kind vor den einfahrenden Zug. Das Kind stirbt. Wir wissen nicht warum, wir wissen nicht in welcher Beziehung Täter und Opfer zueinander standen. Wir wissen nicht woher Täter und Opfer kommen, gar welcher Nationalität sie sind. Selbst jetzt Stunden nach der Tat ist laut Polizeiangaben nichts von alledem bekannt.
Wir wissen nur ein Kind ist tot.

Aber Frau Weidel weiß bereits, dass der Täter nicht ihrer Definition eines Biodeutschen entspricht und muss ihre Hetze um 13:00, also noch während des laufenden Einsatzes in ihre Propagandaechokammer hauen:

„Laut Polizei #Frankfurt hat ein 40-jähriger Afrikaner den 8-jährigen und seine Mutter auf die Gleise gestoßen. An Entsetzlichkeit ist diese Tat kaum mehr zu überbieten – was muss noch passieren? Schützt endlich die Bürger unseres Landes – statt der grenzenlosen Willkommenskultur!“

Hass zu streuen ist ihr wichtiger als der keinste Funke von Anteilnahme. Mehr noch auf dem Rücken des toten Kindes stilisiert sie sich als Opfer und Flüchtlinge pauschal als Täter und damit skizziert sie das Bild der Deutschen als Opfer der Migranten. Ganz nebenbei stellt sie fest, dass Deutsche in ihrem Sinne Weiße sind. Und indem sie schreibt, dass es immer schlimmer werde, arbeitet sie vorsätzlich und wider allen Wissens und aller Belege an dem Framig vom Notstand einer überranten Nation.
Sie hätte auch gleich im Klartext zum Lynchmob aufrufen können.
Das ist Lüge. Das ist Rassismus. Das ist so unethisch wie es nur irgendwie unethisch sein kann. Und es ist absichtlich boshaft. Es ist dunkel, unglaublich dunkel. Es ist der Abgrund aus dem immer noch die Asche derer zu uns heraufweht, die wir schon früher als die „anderen“ klassifizierten.

Herrenmenschen wie die AfDler denken so. Und wir erinnern uns: Frau Weidel zählt zu den sogenannten Gemäßigten Konservativen, nur für die angemerkt, die an dieser Stelle gerne fragen wieviel Nazi denn nun wirklich in der AfD steckt und festellen, dass der mittlerweile völlig enthemmte Flügel ja nicht die AfD in Gänze abbilde.
Und bei dieser Feststellung ist es auch völlig unerheblich ob sich im Nachhinein herausstellt ob es ein Migrant, ein Tourist oder doch ein Deutscher war.

Es ist das Timing, welches Frau Weidel demaskiert. Würden wir es nicht bereits wissen, wir hätten gerade an der Bahnsteigkannte des Lebens gelernt, dass Frau Weidel ist eine abgrundwiderliche Person ist.

Jemand, der einen – falls es je wichtig war welche Nation man als Mensch hat – erschaudern lässt von diesen Deutschen zu den ihren gerechnet zu werden. Einzig, weil man mit ihnen den Zufall von Pass und Hautfarbe gemein hat.

Wie fragen uns wie in Wächtersbach ein frustrierter Mensch losziehen kann um wahllos einen Farbigen zu erschießen? Frau Weidel hat uns gerade die Antwort gegeben.