Bottrop Syndrom

Bottrop Syndrom
Bottrop Syndrom

Bottrop Syndrom [ bọt’rop zyn’dro:m] #
Substantiv, Neutrum – auch Bräunlicher Euphemismus: epidemische Volkskörpererkrankung mit psychischer Komponente und einhergehender Intelligenzminderung. Äussert sich in der [krankhaften] Sucht rechtsradikale Terrorakte zu verharmlosen. 

oder wie es in der Tagespresse steht:

Unmittelbar nach den gezielten Amokfahrten auf Ausländer in Bottrop und Essen, sieht der NRW-Innenminister Reul keinen größeren rechten Zusammenhang: „Der Mann entwickelte aus persönlicher Betroffenheit heraus Hass auf Fremde.“ 

Ach so, ich hatte schon Sorge, es wäre ein Terroranschlag. Aber der Mann war ja nur gegen Fremde, Befindlichkeiten eben, muss man verstehen. 

Nein, verstehe ich nicht. Ich will dass wir endlich anfangen auch den rechten Terror als das zu adressieren, was er nunmal ist: Terror. Wie kann es sein, dass Asylunterkünfte abfackeln mittlerweile als eine Art landestypischer Volkssport betrachtet wird, dass im rechten Bereich eine Gruppe jahrelang mordend durch Deutschland zog ohne auf den Fahndungsplakaten des Staatschutzes aufzutauchen, das nichtmal die Bombe auf dem Oktoberfest uns dazu brachte das Wort Terror in den Mund zu nehmen?

So lange wir die Dinge nicht beim Namen nennen, werden wir auch nicht fähig sein sie so zu behandeln wie sie nunmal behandelt gehören. Ja schlimmer noch, man muss sich bei dieser fortgesetzten Schönrednerei durchaus den Vorwurf der billigenden Mittäterschaft gefallen lassen. Das wir keinen Terror von Rechts kennen bedeutet auch, dass wir regelmäßig bei der Aufklärung solcher Straftaten Zeit verlieren oder die Strafverfolgung durch unsere Unfähigkeit rechten Terror als solchen zu bezeichnen vereiteln. Dies weil wir erstmal die Opfer, linke Gruppen oder irgendjemanden Hauptsache keine Rechten ins Visier nehmen. So geschehen in München. So geschehen bei der NSU, so geschehen bei der Mehrzahl der Brandanschläge auf Häuser in denen Fremde wohnen, bei denen es zu Todesfällen kam. 

Fassen wir nochmal zusammen: Da ist jemand so klaren Geistes, dass er ein Auto durch zwei Städte steuern kann und sich während und danach in schlüssigen Sätzen hinsichtlich seiner Motivation artikulieren kann. Der hasst Fremde und geht also los um einfach Fremde umzubringen. Wen? Ist ihm egal, weil er ja gegen Fremde im allgemeinen und seine Tötungsabsicht nicht gegen konkrete Personen ist. Ein Affekt kann auch ausgeschlossen werden, dafür ist die Fahrt durch zwei Städte zu lang und die Vielzahl sowie Auswahl der Anschlagsorte zu groß. Es mag vielleicht spontan begonnen haben, stellt aber in Folge eine in sich planvolle Handlung dar. Er fegt also mit seinem Auto wahllos in Gruppen von Mitgliedern dieser, unserer Gesellschaft. Dies mit dem Vorsatz die Gesellschaft von Fremden durch Mord zu reinigen. Wobei er billigend Kollateralschäden in Kauf nimmt, da er ja handlungsbedingt nicht vermeiden kann auch Nichtfremde, gar Bekannte oder Verwandte zu töten. Also muss das Ziel des Tötens Fremder aus Sicht des Mordwilligen im Tatvollzug dem Schutz der Nichtfremden übergeordnet sein. 

Wenn das nicht Terror ist, sondern eine persönliche Befindlichkeit, was bitte ist dann Terror?

Der Motor des Anschlagswagens ist noch warm aber der Innenminister beeilt sich dies als persönliche Befindlichkeitstat aus Hass gegen Fremde ohne rechten Hintergrund hinzustellen. Das genau ist das Bottrop Syndrom.