Ich verfolge in der schwarzen Kunst seit jeher mit Interesse die Diskussion zwischen Tradition und Experiment. Meine persönliche Meinung ist diese, dass es nunmal beides braucht und beide nicht im Widerspruch zueinander stehen, zumindest nicht so sehr, als dass es Not täte dies erbittert gegenüber zu stellen. Für die Gegenwart sehe ich für die schwarze Kunst ohne das Experiment eine Berechtigung als Museumsartefakt, was auch ihr handwerkliches Können erstarren und sich in Konsequenz zwischen den Zeilen der Beschreibungen nicht praktizierender Kunstwissenschaftler im Abstrakten verlieren ließe. Denn das Handwerk bezieht seine Berechtigung aus dem Tun und das Tun bezieht seine Berechtigung aus der Notwendigkeit. Immerhin, das war so und wird wohl auch so bleiben, haben die meisten Handwerksdrucker aus sich heraus wenig bis nichts zu drucken. Sie entfalten ihre Meisterschaft für gewöhnlich in Auftrag und Erfüllung Dritter. Auf der anderen Seite waren und sind und die meisten experimentellen Drucker Autodidakten und daher nicht selten lange auch damit beschäftigt Räder neu zu erfinden. Will man also das Handwerk erhalten muss man durch den Wegfall alter Notwendigkeiten neue suchen und sich diesen öffnen (wollen). Zum Beipiel in der Kunst, in der Bildung, in der Freizeit und sicher auch als beständige Nische im Akzidenzdruck.

In der digital abstrakten Erfahrungsferne hat das Drucken jedenfalls die ungemein sinnliche, aber auch mechanische, sinnschlüssig- logische unmittelbare Dinglichkeit zu bieten, die wir ansonsten allenthalben im Alltag missen. Im Drucken liegen Ursache und Wirkung wunderbar dicht beieinnader und bieten bei schnellem Einstieg lebenslange lustvolle Lernkurven. Und ich denke genau hier liegt ein Gutteil der Zukunft der schwarzen Kunst. Ich sag mal das wird.

Für meinen ganz persönlichen Teil bin ich jedenfalls den Werkstattmeistern die ich damals an der Universität Kassel erleben durfte, wie Heckert und Schröder, bis heute sehr dankbar, dass Sie mir beides mit auf den Weg gaben: In der Kunst das Handwerk zu achten und um ihrer selbst willen das Experiment zu leben.

Naja, jedenfalls haben mich diese Gedanken heute morgen entspannt in den Tag setzen lassen. Es gibt wahrlich schlechtere Methoden einen Tag zu beginnen. *lach*

Schriften:

Augenheil, Richard Ludwig, 1907

und ein Medley aus

Prägefest, Eduard Lautenbach, 1928

Present, Sallway, 1974

Mir namentlich noch unbekannte

Folio, Bauer&Baum, 1956

Profil, Lenz, 1945

Wilke Versalien, Martin Wilke, 1933

Arkona, Klauß, 1935

Forum I, Georg Trump, 1948

Kyrillisch ohne Namen und Jahr

Fette Pergamon, Schneider, 1940

Erster Probeabzug – Ich denke ich werde eine Wendekarte daraus machen, denn es sind nunmal für mich zwei Seiten ein und des selben Blattes.

Nachtrag.

Dieser Text erschien zuerst bei den Freunden der schwarzen Kunst, einer Themengruppe auf Facebook. Dort hat er in Teilen erbitterte Reaktionen ausgelöst, was deutlich nicht meine Absicht war. Daher habe ich ihn dort gelöscht. Hier seien alle Mitlesenden noch einmal und das eindringlich darauf hingewiesen: Ich bin weder gelernter Drucker noch Setzer. Dies ist meine ganz persönliche Sicht, als jemand der gerne druckt und setzt, es soll aber in Wort und Bild in keiner Weise Handwerk und/oder Kunst schmälern.