Selbstgenügsamkeits-Mangelwirtschaft

Schon ein kurzer Blick auf einen x-beliebigen Kinderflohmarkt zeigt dem, der es sehen will eigentlich schon alles, was er über uns als Spezies wissen muss. Kinder sitzen zwischen der Bergen der Plastiksedimente, die teuer erkauft im wesentlichen nur eine kurze Befriedigung im Entbehrungsstreß der Quengelmeile ihres und ihrer Eltern Leben darstellen, wenn überhaupt.  

Wir Menschen erachten es derzeit als höchstes Ziel unseren Mangel an Selbstgenügsamkeit im Entfachen eines Hyperkonsumrausches, eben jenem permanenten Wachstum, des zum kulturellen Imperativ erhobenen permanenten Drang nach mehr zu befriedigen. Decken uns auf der Flucht vor uns selber und den einfachen Wahrheiten, dass etwa zum Leben eben auch das Ende, zur Freude eben auch die Trauer, zum Glück eben auch notwendigerweise die Erfahrung der Entbehrung gehört für jede noch so absurde Eventualität ein. Dabei reden wir uns zugleich gerne ein, dass Besitz gleich Kompetenz sei, erwarten dass Imageübertrag qua Kauf sowohl bei Kleidung, als auch Fortbewegung oder Werkzeug real sei. So als mache der Kauf eines absurd motorisierten Autogebirges aus einem Halter einen Rennfahrer, des Horten von edlem Werkzeug aus dem Sammler von werkzeug gebundener Möglichkeit einen Schöpfer und dem Träger teuren Zwirns einen Wirtschaftsexperten.

Gewohnheitsmäßig uns und andere blendend haben wir den Blick für die meisten bodenständigen Realitäten verloren. Am Ende begreifen wir Naturgesetze als Meinung und erwarten, dass unsere emotional wie faktisch entkoppelten Erwartungshaltungen als Forderung gleichberechtigt neben fundamentalen Sachverhalten wie etwa der Endlichkeit von Ressourcen oder den Grundgesetzen der Thermodynamik zu stehen habe.

Den Missstand glättend, dass man nur dann immer mehr aus immer weniger pressen kann, wenn man die Berechtigungen so verschiebt, dass immer mehr für immer weniger zunehmend ausgebeutet und verbraucht werden, der Mensch also -die Ideale der Freiheit und Aufklärung hin, die Ideale der Freiheit und Aufklärung her- den Menschen selbst als Ressource und im Zweifel eben auch entsorgungsnotwendigen Abfall begreift, greift er um seines Seelenheiles willen zum Ablass in Form von Gutprodukten, die zwar selbst so überflüssig sind wie alles andere auch, deren Zweck aber die Selbstentschuldigung eben der Ablass ist. Weswegen diese Produkte als Distinktionsmerkmal gerne auch mal teurer sein dürfen, auch sollte sich nicht jeder einfach so selbstentschulden können. Die Fähigkeit zum Ablass gerät selbst zur Ware und damit zum Distinktionsmerkmal ichfixierter Gesellschaften. Nur retten tun auch die Gutprodukte das Gesamtsystem nicht. Und die Erwartung, wir könnten Wachstum und Überkonsum durch nachhaltige Produkte beibehalten ist nur eine weitere Selbstlüge einer zum Rennen bis zur totalen Erschöpfung verdammten Menschheit der die Selbstgenügsamkeit abhanden gekommen ist.

Als Bewohner der relativen Nutznießerzonen dieses Systems stehen wir immer noch vor kilometerlangen Regalen des Überflusses, aber auch wir sehen bereits deren Ende, was uns zunehmend mit der hilflosen Wut der Ohnmacht erfüllt. So wie eben Kindern bei Nichterfüllung ihrer Wünsche oft nur das Toben bleibt. Allein Kinder können das Glück haben eine Resilienz zu entwickeln, wenn Sie auf Eltern treffen, die Zuneigung nicht mit Konsum verwechseln. Wir Menschen treffen am Ende nur auf Physik und Physik kennt zwar Wärme aber keine Liebe.