Merz sieht in der Steuer und Ausgabenkürzungsdebatte bei den Reichen die Belastungsgrenzen erreicht, die „Zitrone sei bis zur Neige ausgepresst“.

Nun Merz ist nunmal, was er ist: der Kanzler aller reichen Zitronen – natürlich stellt er sich als schützend vor diese. Dem Staat entgeht jährlich allein durch nicht betriebene Steuern bei Reichen, etwa erlassenen Schenkungssteuern, mehr Geld, als er durch Regelverschärfungen im Sozialhaushalt reinholen kann. Und da sind die Steuerschlupflöcher sowie der Steuerbetrug und Steuerraub nich gar nicht mit eingerechnet. Das Leben in Deutschland wird fiskalisch betrachtet immer günstiger, je reicher eine Person ist. Zugleich ist Reichtum gleichbedeutend mit privilegiertem Zugriff auf Politik, wodurch ein sich selbstverstärkendes System entsteht. Am Ende regieren Millionäre für Millionäre gegen Nichtmillionäre. Die hierdurch entstehende soziale Unwucht versperrt Aufstiegschancen, fördert Ungleichheit, Verelendung und schwächt die Demokratie als solche, weil sie für jeden neuen Reichen (wir gehören zur Weltspitze beim Zuwachs der Reichen) verlieren ganze Bevölkerungsgruppen weitere Absicherung und Stabilität. Gemeinsam aufgebaute Infrastruktur wird als Asset und Selbstbedienungsladen betrachtet. Mit der Privatisierung bleiben jedoch die Kosten, da Unfrastruktur am Ende immer vom Staat, also von den Steuerzahler*innen aufgefangen werden muss. Kapitalismus mit für Reiche reduziertem und im Zweifelsfall kommunalisiertem Risiko gilt unter Reichen als „smart“ bedeutet aber für eine Demokratie mit Zitronen zu handeln.