
Habeck hatte Merz früh und ausführlich erklärt, wie deutsche Abhängigkeiten entstehen, wie daraus Erpressbarkeit wird und warum die Straße von Hormus nicht nur ein geografischer Begriff ist. Funfact: Habeck sagte Merz praktisch jede Herausforderung voraus, in die dieser später mit Anlauf hineinstolperte. Was einfach war, denn Habeck interessierte sich inhaltlich für den Job während Merz sich allein dafür interessierte wie er an den Job kommt, den er für sich vorbestimmt sah.
Merz tat, was Merz in solchen Momenten eben tut: Er verwechselt aggressiven Starrsinn mit Selbsgewissheit und redete alles klein, alles weg, alles kaputt – und redete vor allem konsequent das Gegenteil dessen, was Habeck riet. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Prinzip. Habeck war in seiner für ihn unereichbaren inhaltlichen Vorbereitetheit und seinem fließenden Verständnis für die Materie automatisch der politische Antichrist. Also brandmarkte Merz Habeck erfolgreich als solchen und verbaute sich damit zugleich dessen Lösungsräume – ohne auch nur ansatzweise abzuwägen ob dies für das Land zielführend ist. Was von Habeck kam, verbot sich, schon aus Prinzip.
So drückte Merz die Grünen mit bemerkenswerter Verbissenheit aus jeder denkbaren Konstellation heraus – bis Koalitionen mit ihnen unwahrscheinlicher wurden als solche mit der AfD. Die Energiewende bremste er nicht nur aus, er begann sogar, bereits Erreichtes zurückzubauen. Mit der fossilen Lobbyistin Reiche an seiner Seite sorgte er dafür, dass Deutschland auf leeren Speichern mit blockierten Reformwegen sitzend, besonders hart vom Energieschock getroffen werden wird, sollte der Krieg am Hormus länger dauern. Was dieser derzeit zu werden verspricht, so unfassbar dilettantisch, wie sich Trump und seine Gurkentruppe verkalkuliert haben.
Kurzum: Merz Verwechslung von Starrsinn mit Können tat alles, damit aus Problemen und Herausforderungen ausgewachsene Katastrophen entwachsen können. Er denkt nicht über die Situation hinaus, bildet keine Szenarien, wägt nicht ab, hat daher abseits von Machterhalt und potiamkinschen Dörfern wie „hocheffiziente Verbrenner“, „Wasserstofftechnologie“ und „Atomare Kleinkraftwerke“ und anderen bislang bestenfalls unter Laborbedingungen nicht aber in der Praxis funktionierenden Worthülsen und Wunschdenken kaum bis keine Pläne, die über den Moment hinausgehen. Sein einziger Plan war offensichtlich, Kanzler anstelle der Kanzlerin zu werden. Also der Kanzlerin die ihn einst und das völlig zurecht ausgebremst hatte. Deren Ansehen innerhalb seiner eigenen Partei er in Folge erfolgreich auf das von Habeck drückte. Einen Plan darüber hinaus hatte er offensichtlich nie.
Und da stehen wir nun: mit einem Kanzler, der allein vom Wunsch nach Machterhalt auf Basis seiner fragilen Angefasstheit getrieben wird, der kritik- wie lernresistent ist und sich auf eine Sockentruppe aus servilen weil korrupten Höflingen stützt. Deswegen ist Spahn noch im Amt, deswegen hat Reiche den Job, etc. pp.