Irgendjemand meinte unlängst, es wäre schön mal ein Interview mit mir zu lesen. Nun, hier ist eure Gelegenheit mir Fragen zu stellen.

Abgeschickte Fragen werden erst sichtbar, wenn ich sie beantwortet habe.

10 thoughts on “Fragen an die Stifte

  1. Moin Guido, ich möchte gerne wissen, ob du dir beim zeichnen „zuguckst“ und auch immer ein bisschen gespannt bist, was deine Stifte so hervorbringen oder ob du immer schon vorab die komplette Idee im Kopf hast und sie dann „nur“ noch umsetzt. Und: wie bist du zum Schriftsatz gekommen? Hast du eine Ausbildung gemacht oder bist du Autodidakt?
    Immer SEHR beeindruckt von deinen Werken schicke ich dir liebe Fangrüße aus Hamburg,
    Steph

    1. Zeichnen ist für mich hier die Möglichkeit in Situationen, Rollen, Gefühle einzutauchen. Von daher ja: ich versetze mich in einen Zustand, in welchem ich möglichst nahe an die Wirkmächtigkeit der gewünschten Bildaussage komme. Mich also zumindest mit dem geistigen Auge selbst beobachte. Ich nenne es eine Art Method Acting und meine Frau lacht öfter, wenn ich unwillkürlich Grimassen schneidend oder auch gestisch einer bestimmten Spannung nachspüre. Zum Glück sehe ich mich beim Zeichnen nicht, denn würde ich mich selbst dabei sehen, ich wäre wohl kaum mehr als die Karikatur meines Gedankens oder Gefühls.

      Oft, aber nicht immer habe ich die Zeichnungen vorab im Kopf. Je konkreter, desto schneller komme ich bildlich auf den Punkt. Es gab aber auch auch schon Fälle, in welchen ich als Antwort auf eine konkrete Frage in der der Gesellschaft über Tage und Wochen nur ein unbestimmtes Gefühl, nur amorphe Bilder im Kopf hatte. Auch das ist normal, irgendwann steht dann unmittelbar ein gangbarer Ansatz vor meinem Auge. Den Rest erledigen die Stifte.

      Im Schriftsatz war ich viele Jahre lang studentische Hilfskraft an den damals noch existierenden, wunderbaren Druckwerkstätten mit ihren herausragenden Meistern der Universität Kassel. Das prägt. Eine formale Gesellenausbildung habe ich jedoch nicht.

  2. Hallo Herr Kühn,

    erst einmal Vielen Dank für Ihre Arbeit. Ich finde Ihre Karikaturen immer sehr treffend.
    Mich würde interessieren, wie lange Sie von einer Idee bis zur Veröffentlichung brauchen. Sind alle Ihre Illustrationen gezeichnet/gedruckt oder arbeiten Sie auch digital?

    Beste Grüße

    1. Ich brauche im Schnitt etwa 10 bis 30 Minuten pro Blatt, die Zeit für die Ideenfindung nicht mitgerechnet. Letztere kann ich zeitlich nicht einschätzen.

      Die Illustrationen zum Zeitgeschehen entstehen in reiner Handzeichnung, werden aber digital erstellt. „Reine Handzeichnung” bedeutet in diesem Fall, dass ich bis auf die Möglichkeiten des Radierens und Verschiebens keine digitalen Hilfsmittel wie Stiftunterstützung, Raster, Lineale oder Effekte nutze. Ich verwende drei digitale Stifte, die ihren analogen Pendants sehr nahe kommen: einen Bleistift, eine elastische Tuschefeder und zur farbigen Ausgestaltung der Zeichnungen einen Aquarellpinsel. Es ist die gleiche Arbeitsweise wie im analogen Bereich, nur dass ich ohne Montage der Vorzeichnung auf dem Leuchttisch auskomme und eine rückstandsfreie Retusche habe. Dadurch ist die Arbeit auch so schnell. Wenn ich Zeit hätte und es sich nicht um Wegwerfzeichnungen handeln würde, könnte ich, und habe es auch schon mehrfach so gemacht, jedes Blatt auch exakt so analog in Tusche und Aquarell auf Papier anlegen.

  3. Sehr geehrter Herr Kühn,

    Wie haben die Stifte sie gefunden, und welcher Stift-Gattung gehören diese an?

    Und natürlich Danke für so viele treffende Illustrationen.

    1. Die Stifte finden eher mich, ich probiere ständig neue aus. Gattung? Eigentlich jede, meine Lieblinge sind aber konstant Mitsubishi HiUni Bleistifte 6B-12B und elastische Brause und Zebra Zeichentuschefedern.

  4. Guido Kühn wie wichtig sind dir deine Titel ?

    Die Arbeit die du leistest ist immer wieder sehr tiefsinnig,
    deine Rhetorik
    scharfsinnig und selbsterklärend .Mir gefällt was du machst ,
    wünsche dir weiterhin viel Erfolg. MFG .

    1. Für sind es rein berufsbezogene Bezeichner, die ausserhalb des Berufskontextes keinerlei Relevanz haben. Wäre ich Maurer, Sanitäter oder Bademeister, ich würde ja auch nicht darauf bestehen ständig auch ausserhalb von Baustelle, Verbandsplatz und Schwimmbad als Maurer, Sanitäter oder Bademeister angesprochen zu werden.

    1. Die Geburt meiner Kinder. Das war der Moment, da mir, obwohl ich es mir vorher schon vom Kopf her klar war, auch vom Herzen endgültig klar wurde, dass es in im Leben nicht um mich geht, gehen kann. Zumindest nicht als vorherrschendes Zentrum meiner Sicht auf die Welt. Die Menschen haben sich ja oft mit Unsterblichkeit auseinandergesetzt. Sei es in Science-Fiction, sei es mythologisch bei Jungbrunnengeschichten oder religiös auf der Suche nach dem heiligen Gral und den Paradiesvorstellungen. All diesen Erzählungen ist gemein, dass sie im Kern individualistische Eskapismen sind. Ich für mich habe es anders erlebt, indem ich meine Kinder bis ins Erwachsenenalter und deren Kinder sah und sehe und ich mich in ihnen wiederfinde, gefiel mir der Gedanke, daß Kinder die Antwort auf der Suche nach dem Entrinnen der eigenen zeitlichen Begrenztheit sind. Und ab da ist man sich selbst nicht mehr so wichtig und begreift sich eher als eine kleine Episode in einer endlosen Kette von Episoden.

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