Ja, es gibt auch männliche Einzelfälle, selbstverständlich. Aber die Statistik ist so eindeutig, dass man sie eigentlich mit Leuchtfarbe an jede Ministeriumswand pinseln müsste: 90 % der Alleinerziehenden sind Frauen, 90 % der säumigen Unterhaltszahler Männer. Wer den Unterhaltsvorschuss kürzt, trifft also nicht „Familien“, nicht „Bedürftige“, nicht „Eltern“, sondern fast ausschließlich Frauen – und zwar jene, die ohnehin schon jeden Tag zwischen Lohnarbeit, Care-Arbeit und gesellschaftlicher Geringschätzung zerrieben werden.

Und als wäre das nicht genug, stolpern Frauen schon vor der Mutterschaft über die ersten Hürden: Arbeitgeber, die beim Wort „Schwangerschaft“ nervös zucken wie andere beim Wort „Betriebsrat“. Befristungen, die wie ein Damoklesschwert über jeder Bewerbung hängen. Minijobs, die als „flexible Lösung“ verkauft werden, aber in Wahrheit die Einflugschneise in lebenslange Altersarmut sind. Und wenn Frauen dann tatsächlich Kinder bekommen, wird aus der strukturellen Benachteiligung ein gesellschaftlich sanktioniertes Lebensrisiko.

Denn Deutschland interessiert sich seit Jahrzehnten nicht ernsthaft dafür, wie Arbeit und Erziehung miteinander vereinbar sein sollen. Kita-Öffnungszeiten, die mit Erwerbsarbeit so kompatibel sind wie ein Regenschirm mit einem Orkan. Schulen, die schließen, wenn Fortbildung ist, wenn Ferien sind, wenn irgendwer im Kollegium hustet. Betreuung, die nicht als staatliche Aufgabe verstanden wird, sondern als unwillige Gabe, die man jederzeit wieder entziehen kann.

Zum ohnehin existenten Gender Pay Gap kommt für alleinerziehende Frauen die nächste Klatsche: Die Gesellschaft nimmt ihre Erziehungsleistung dankbar entgegen – aber die Idee, daraus eine Anerkennung oder gar eine strukturelle Unterstützung abzuleiten, scheint ihr fremd. Stattdessen dürfen Frauen sich später von privilegiert-entrückten Männern vom Typ Merz anhören, sie hätten „nicht genug an ihrem Aktienportfolio gearbeitet“. Als hätten sie zwischen Kita-Schließung, Schulbrot, Nachtschicht und Unterhaltsklage noch Zeit, geschweigedenn Geld gehabt, sich durch die Finanzmarktprosa zu wühlen.

Und dann die Rentensituation: Wer Kinder alleine großzieht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Altersarmut. Nicht als Ausnahme, sondern als Systemergebnis. Als eingebauter Fehler, der nie behoben wurde, weil er die Falschen trifft – nämlich Frauen.

Wenn Frauen sich von ihren Partnern trennen, werden sie nicht nur finanziell bestraft, sondern gesellschaftlich gleich mit. Unterhaltskämpfe, Stigmatisierung, moralische Belehrungen, die ganze Palette. Die Botschaft ist klar: Wer sich aus einer schlechten Beziehung befreit, soll dafür büßen.

Hier nicht nur nicht zu helfen, sondern zu strafen, ist kein Versehen. Es ist patriarchaler Machtanspruch, in Gesetzesform gegossen.