Menschen stellen sich gerne eine Industriedruckerei vor, wenn sie mich auf meine Werkstatt ansprechen. Ich darf daher mal aufklären und sage: Weit gefehlt. Pettersons Tischlerschuppen würde es eher treffen. Die „Druckerei“ besteht aus zwei Bereichen unseres Wohnateliers, einem kleinen Hinterhof-Industrieloft. Die eigentliche Setzerei misst 26qm und ist rund um die Schlagschere organisiert. Ohne Schlagschere gibt es einfach keine ernstzunehmende Beschäftigung mit Druck und Papier. Und in kleinen Druckerei ist die Schlagschere gleichzeitig Packtisch und Ablage, eben eine Fläche, wie man sie beim analogen Arbeiten ständig benötigt. Hier sind auch insgesamt 14 laufende Meter Bleisatzablageschränke. Das sind zumeist Stecksatzregale in welchen sich derzeit so um die 180 verschiedene Schriftarten tummeln. Tendenz weiter steigend.
Obwohl die Werkstatt auf eine Person ausgelegt ist, hat es Platz für zwei Setzerarbeitzsplätze und einen Schreibplatz mit Computer, was gut ist, denn so kann man auch mal eine Arebeit liegen lassen. Was schlecht ist, weil man so auch mal eine Arbeit liegen lässt. Kleine Werkstätten zwingen zur Ordnung, welche ich nicht eben erfunden habe; die ich aber mich selber erstaunend in der Setzerei ziemlich rigoros durchziehe. Alles hat System, alles hat seinen Platz. Alles andere würde zwangsläufig erst im Chaos, dann in schlechter Arbeit, dann in Aufgabe der Werkstatt enden. In der Setzerei stehen noch die Tränklein Eckenrund- und die Citonak Registerstanze , die Foellmer Nutpresse, ein Adana Handtiegel, der Eickhof Fußtiegel und eine Korrex Stuttgart Andruckpresse.
Im zweiten, 16qm großem und fensterlos gefangenem Raum findet sich die mit 50x70cm Druckformat große Korrex Hannover und eine weitere Korrex Stuttgart sowie eine Blockschere. Das Farbenlager mit hunderten von Farbdosen ist über beide Räume verteilt. Ebenfalls im zweiten Raum steht noch ein relativ selten bis nie in Verwendung befindlicher A5 Handtiegel, der eigentlich nur noch deswegen da steht, weil er mit etwa 100kg zu schwer zum Verrücken ist (und ich den Platz noch nicht so dringend brauche, als dass ich mich da dran machen würde).
Es gibt wenige Orte, an denen ich mich so gerne aufhalte, wie in meiner Setzerei. Es ist eben ein Raum voller Möglichkeiten.





