
Die Industrie presst auf der Suche nach Nutzen KI derzeit von Produktion über Forschung, Verwaltung, Verteidigung, Überwachung, Konsum bis Freizeit flächendeckend mit Macht in jede Ritze von Gesellschaft und Leben. Das wird unser Verständnis von Gesellschaft, Mensch und Kultur pulverisieren. Werden wir uns in Folge in der Betrachtung unserer selbst auf Daten und im Verständnis dessen, was uns ausmacht als Programme begreifen, werden Optimierung und Effizienz Vielfalt und Offenheit als Parameter menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung verdrängen. Dann droht nicht nur Faschismus, das ist reiner Faschismus. Dass KI dabei zu weiten Teilen eine Domäne von von luhmanschen Allmachtsphantasien getriebenen Techfaschisten ist oder was in hochtechnologieländern wie China mit Totalüberwachung und Sozialen Bewertungssystemen bereits existent ist, macht die Aussicht dessen, was uns mit KI erwartet, nicht eben weniger trüb. Ich bin kein Maschinenstürmer, eher im Gegenteil. Zeit meines Lebens bis zu meiner High-Tech-Agenda Professur war ich ein Early Adopter. Auch KI sehe ich erstmal als ein interessantes, ein mächtiges Werkzeug. Es ist allerdings keine Frage der Technik, sondern eine der Macht, wenn man in das Habitat einer sich vollständig digitalisierenden Welt eine selbstlernende Technik totaler Kontrolle entlässt – das verleiht, wer auch immer gerade Zugriff auf die Algorithmen und Daten hat, naturgemäß die totale Kontrolle über alles und jeden. Gleichzeitig müssen die Zirkel dieser Macht naturgemäß schon aus Selbstschutz vom Kreis der Überwachten technologisch, gesellschaftlich völlig getrennt existieren. Allein diese Trennung ist ein Rückfall in feudalistische Systeme. Mit Blick nicht nur auf Amerika und der nahezu völligen Wirkungslosigkeit von gesellschaftlichen Schutz- und Korrektivsystemen wie Legislative und Judikative im Bezug auf eine sich abschottende und willkürlich agierende und zu guten Teilen völlig delegitimierte Machtclique bekommt man eine gute Vorahnung dessen, was auf uns zukommt. 1984 ist gegen dieses mittlerweile eher konkrete denn theoretische Szenario eher eine Utopie, denn eine Dystopie.