
Hannah Arendt beschrieb 1964 mit ihrer Aussage rückblickend, was vor der Machtergreifung passierte: Sie beschrieb den sie umgebenden leeren Raum – eben jene Schutzlosigkeit, die durch das Mittragen, die mitlaufende und vorauseilende Selbstgleichschaltung der Freunde entstand. Sie beschrieb eben das, was heute die tiefe Verletzung, die Enttäuschung, ja die kalte Wut im Umgang mit der SPD ausmacht: Anstatt sich zu widersetzen, dem Gemeinwohl den Rücken zu stärken, für die Schwachen und Bedürftigen auf die Barrikaden zu gehen kompromittiert sie sich als Stütze der in ihren Parteispitzen weder an Demokratie, noch an Gesellschaft größer, gar zwingend interessierten, den autoritaristischen Rechtsrutsch nicht bekämpfenden, sondern aktiv treibenden Union. Die SPD ist der leere Raum, den sich entfremdende Freunde hinterlassen. Und in Zeiten wie diesen ist dies keine rein psychologische Frage nach dem Umgang mit Verlassenheit und Enttäuschung, sondern aus Blickwinkel einer vielfältigen, offenen Demokratie eine existenzielle: Die SPD ist der leere Raum, den die sich entfremdende SPD hinterlässt. Er markiert die derzeitige offensichtliche parlamentarische Schutz- und Hilflosigkeit einer offenen und vielfältigen Demokratie, die nolens volens dem Autoritatarismus entgegentaumelt, seit die Union mehr oder weniger offen das Faktische, das gesellschaftlich nützliche, ja die Demokratie selbst vor allem als Bereicherungshemnnis ihrer überreichen Klientel begreift.