
Der mit bis zu 600 fossil betriebenen PS blechgewordene pubertäre Poserfiebertraum von Audi, der SuperSUV Q9, ist lang wie ein Transporter, breit wie ein Junkie, höher als der Durchschnittsdeutsche—ein Auto wie ein wütend erhobener Mittelfinger-Epitaph auf unserem Grabstein als vernunftbegabte Wesen.
Funfacts: pro Kopf werden auf der Schiene durchschnittlich anteilig nur etwa 2-300kg Fahrzeug benötigt, um 95kg Mensch zu transportieren, beim Q9 anteilig ~2 t, da PKW in Deutschland im Schnitt nur 1,3 Personen befördern. Zum Ausgleich steht ein Zug am Tag etwa 10 Stunden ungenutzt, ein PKW über 23. Das Freiheitsversprechen des motorisierten individuellen Personenverkehrs ist volks- wie privatwirtschaftlich die teuerste Fortbewegungsvariante, die wir uns nur durch massive Subventionen schön rechnen können. Zu enormen Kosten von Gesundheit, Stress, Umwelt, dem im Vergleich zu allen anderen Mobilitätskonzepten alles unter Asphalt begrabenem geradezu irrwitzigem Flächenverbrauch bis hin zu Effekten wie Teilhabeverlust und Vereinsamung im Alter, weil wir unsere Welt durch die PKW in Wohn-, Arbeits-, Konsum-, Bildungs- und Freizeitzonen aufteilten und damit eine wohnortnahe Grundversorgung aufgaben. Zugleich sind die Unterhaltskosten der PKW-Infrastruktur in der Vollkostenrechnung von Straßen bis Bautrupps, von Parkflächen bis PKW-bedingte Einsatzkräfte deutlich höher als jedes vergleichbare Konzept. Und zum Ausgleich steht das Freiheitsversprechen regelmäßig im Infarkt der Berufs-, Pendler- und Urlaubsstaus. Und die Argumentation, dass die Autoindustrie ja Arbeitsplätze schafft, ist einerseits gemessen an den Kosten für die Gesellschaft ein intellektueller Kreis wie der Stammbaum eines isoliert gelegenen Aussiedlerhofes und andererseits mit der Boni und Subventionsverwöhnt am Verbrenner klebenden Realitätsverweigerung der deutschen Vorstandsetagen ein Auslaufmodell – bislang ohne eine ernsthafte Bereitschaft zur Beschäftigung mit der Vorstellung, wie eine Welt nach/ohne PKW aussehen könnte, wie diese sich rechnet und welche Auswirkungen diese auf uns hätte. Paris, Amsterdam und andere Metropolen geben hier Beispiele, wie die Welt mit einer deutlichen Reduzierung der PKW in jeder Hinsicht von Lärm bis Verkehrssicherheit, von Stress bis Wohn- und Aufenthaltsqualität, von privat- bis öffentlichen Haushalten in jeder Dimension massiv profitieren kann. Beispiele, die bei uns angeblich nicht funktionieren, was bei Lichte betrachtet jedoch nur Ausdruck des aggressiven Unwillens der Entscheidungsebenen ist, sich auch nur damit zu beschäftigen, solange sie nur irgendwie ihre fossile Welt beschützen können. Nun, die brennt gerade im Zeitraffer ab. Auch so ein Stressfaktor, der sich unmittelbar auch auf die PKW-zentrierte Weltsicht zurückführen lässt.