
Die seit den 1980er-Jahren kolportierte Mär von den Unternehmerqualitäten, die es in der Politik brauche, endet in der bitterbösen Karikatur eines Retro-Konzernfrühstückschefs einer als solche gefühlten „Deutschland AG“, welcher von einer rückgratlosen Abteilungsleiter SPD unterstützt gerade polternd 90 Prozent seiner Belegschaft kündigt. Ja, ein Kanzler muss führen wollen und können – was man neudeutsch als Managementqualitäten bezeichnen kann –, vor allem aber ist er der Kanzler aller Deutschen. Er vertritt nicht nur bestimmte Gruppen oder Interessen. Und ein für Merz offensichtlich völlig unbekannter aber wesentlicher Aspekt: anders als in einem Unternehmen sind Bürger keine kündbaren Angestellten, niemand, den man nach seiner Nützlichkeit bewertet, sondern Träger unveräußerlicher und dabei gleicher Rechte. Auch wenn die aktuelle Regierung die Bevölkerung gerade mit aller Macht faktisch in für sie deutlich ungünstigere Änderungsverträge drängt und die Verfassung hierfür ändern will: Der Kanzler ist nicht der Chef der Bürger, sondern ihr Arbeitnehmer. Wenn Union und SPD ein anderes, ein kälteres und unsolidarischeres Konzern- und Privatbesitz-Deutschland wollen als die Menschen im Land, müssen die Bürger ihnen die Grenzen aufzeigen. Jetzt und hier. In anderen Ländern wäre das Mittel der Wahl ein Generalstreik – dieser ist hierzulande jedoch seit 1952 verboten, eben weil er darauf abzielt, Regierungen politisch unter Druck zu setzen. Ein Schelm, wer hier böses denkt.
Ich sage es daher mal so: Ein Kanzler, der kein Bürger unter Bürgern ist, kann kein Kanzler sein