Die SPD kann in der Koalition nichts verhindern und bis auf Kosmetik auch nichts raushandeln, das ist die eine große Lektion aus einem Jahr Koalition. Partnerschaft sieht jedenfalls anders aus, als die hilflose Stimmsklaverei eines weitgehend recht- und gehörlos behandelten Partners. Die SPD wird in der toxischen Koalition mit der Union nichts gewinnen, aber alles inklusive sich selbst verlieren. Das Selbe wird wahrscheinlich auch den Grünen in Baden-Württemberg passieren, wie der Wahlabend, die Koalitionsverhandlungen in Folge bis hin zum unsäglichen Nicht-Glückwunsch der baden-württembergischen Union an den frisch gewählten Ministerpräsidenten überdeutlich vorzeichnen. 

SPD und Grüne unterliegen der offensichtlichen, falschen Grundannahme, die Union verfolge im Grunde die selben Ziele wie sie, nämlich Erhalt und Entwicklung des Erreichten auf Basis wenngleich unterschiedlicher Perspektiven, so doch im Kern gleicher Werte und Vorstellungen. Aber genau das tut die Union nicht. Im Gegenteil: Sie verfolgt das mit dem Bestand unvereinbare Ideal einer Plutokratie, einer Herrschaft der Kapitaleliten. Die jedoch ist ausschließlich durch eine Auflösung der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu erreichen. Und genau deswegen kann ihr die durch die falsche Grundannahme, sicher konstruktiv-realpolitisch gedachte, aber im Wesen dienstbare Selbstzerstörung möglich, und wenn sie sich denn nur besinnen würden, durchaus potenter Wettbewerber, mehr als nur willkommen sein kann. Wenn dies wie im Fall der SPD und wie es sehr wahrscheinlich auch im Fall der Özdemir-Grünen sein wird, zudem bewirkt, einen aus Angst vor Neuwahlen bis auf gelegentliche Magenprobleme am Ende unterm Strich und nicht selten auch vorauseilend, faktisch immer treuen Stimm-Sklaven zu haben, umso mehr.