Neben dem händischen Schnitzen von Holz und Linol experimentiere ich immer wieder mal mit diversen Methoden und Materialien, um DIY Klischeeformen zu erstellen. Heute habe ich ein paar zufällig aufgetriebene ABS Thermoplastplatten gelasert.

Nachteile: Thermoplaste sind im allgemeinen nicht sonderlich resistent gegen UV-Strahlung und werden mit der Zeit spröde. Wobei Zeit hier auch eine mittlere Ewigkeit sein kann. Siehe etwa Lego, welches auch aus ABS ist. Der eigentliche Nachteil ist jedoch, das ohne eine starke Absaugung und aktive Filterbeim Lasern von Thermoplasten gar nichts geht, weil diese Platten beim Lasern giftige Rauchgase entwicklen. Beides habe ich zum Glück in der Werkstatt, aber für die Heimlasernutzer in Wohnungen verbietet sich das völlig, giftig meint hier nicht nur den üblichen Cocktail aus Feinstaub und Karzonogenen, giftig meint hier Blausäuregase. Ebenfalls nachteilig ist der haftende Schmauch, der vor dem Drucken entfernt werden will.

Vorteile: sie erzeugen, die richtige Kombination aus Energie, Geschwindigkeit und Durchgängen vorausgesetzt nicht nur unter DIY Bedingungen betrachtet scharfe, hinreichend feine und erstaunlich belastbare Klischees, belastbarer als das meiste, was ich bislang an DIY Klischees in Händen hielt. Nach eineigen Tests empfehle ich viele Durchgänge mit hoher Geschwindigkeit statt wenige mit hoher Energie. Laser schmelzen Thermoplaste, mit weniger Energie wird das Druckbild einfach schärfer und es gibt weniger Schmauch und Dämpfe.

Um das Material mal richtig zu quälen, und um dessen Grenzen des druckbaren auszutesten, erstellte ich ein Bierfilzklischee und montierte dies auf Klischeestege. Für meinen inneren Druck-Nerd dabei sehr schön: mit der üblichen, nicht komprimierbaren Duploflex 0.25mm Folie auf die roten hohen Normklischeestege montiert ist das DIY Klischee nur um gerade mal 0,45mm unter der Normdruckhöhe. Mit zwei Lagen Duploflex müsste das also unterlagsfrei direkt druckbar sein.

Der erste Bierfilz Probedruck auf dem Eickhoff Tret-Tiegel ergab nach Justage von Packung und Schmitzleisten ein präzises, nichtprägend sondern küssend aufgetragenes Druckbild. Allerliebst. Danach erhöhte ich mit Packungszugaben den Druck bis die Bierfilzoberfläche den Druck mit Brüchen in der Oberflächenstruktur an den Buchstabenkanten quittierte. Was dem dies spurlos quittierendem Klischee tatsächlich völlig egal war. Nicht ein Steg ist weggebrochen. So geht robust.

Über die Setzung des Konjunktiv II „gäbe“ im Klischee kann man gerne streiten. Hier könnte ich jetzt sagen, mir gefiele der sublime Verweis auf die damit zum Ausdruck gebrachte irrationale Bedingung und das Grammatik-Kleriker das anders sehen mögen. Aber ich habe da, den Kopf beim Klischee-Experimentieren, tatsächlich nicht weiter drüber nachgedacht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert