
Wirtschaft und Politik gehören dringend entflochten. Bei der Union sitzt mit der Wirtschaftsunion die Interessensvertretung bestimmter Firmen und Branchen sogar unmittelbar mit in der Führungsetage. Auch bei anderen Parteien sind die Verflechtungen groß. Dass jedoch partikulare Wirtschaftslobbyinteressen unmittelbar regierungsbestimmend sind, ist nicht Teil der Krise, sondern deren Ursache. Es lohnte sich in Deutschland für ganze Branchen jeglichen Transformationsdruck auszusitzen. Im Zweifel wurde wie beim VW Diesel Skandal im großen Maßstab aber für den Konzern weitgehend folgenfrei betrogen. Oder die Regierung beseitigte wie im Fall der fossilen Energiewirtschaft lästige Konkurrenz nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach. Mit der Selbstlüge vom regelnden Markt half die Politik der deutschen Industrie eben diesen Markt auszuhebeln. Was dazu führte, dass die Industrie globale Veränderungen zu lange und zu bequem ausblenden konnte. Kurzläufige Bonidenke an Stelle nachhaltiger Unternehmensstrategien tat ihr übriges um für die deutsche Wirtschaft den perfekten Sturm zusammenzuköcheln. Nicht der Sozialstaat ist das Problem, sondern eine Politik, die arrogantes Aussitzen zur Meta-Management-Kompetenz adelte.